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Adresse, Öffnungszeiten, Telefonnummer: deine Website ist der Schiedsrichter

Google und Apple ändern deine Öffnungszeiten auf Hinweis von Nutzern und halten die Änderung gegen öffentliche Quellen, allen voran deine Website. Wenn die Eckdaten an verschiedenen Stellen verschieden stehen, entscheidet also nicht dein Profil, sondern das, was deine eigene Seite sagt. Wie oft Kunden auf falsche Angaben stoßen, wie eine Änderung in dein Profil kommt, welche Stellen wirklich zählen, was bei Feiertagen, Umzug und neuer Nummer passiert und wie du eine Quelle festlegst, der alle glauben.

Cover: Adresse, Öffnungszeiten, Telefonnummer: deine Website ist der Schiedsrichter

Ein Friseursalon hat seit dem Frühjahr montags geschlossen. Auf der Website steht es, im Google-Profil auch. In Apple Karten steht noch Montag 9 bis 18 Uhr, im Branchenverzeichnis ebenso, und an einem Montag im Oktober steht eine Kundin vor verschlossener Tür, die am Vorabend auf dem Handy nachgesehen hat. Sie ruft nicht an, sie geht woanders hin. Dieser Beitrag handelt von den unscheinbarsten Angaben eines Unternehmens: Name, Adresse, Telefonnummer und Öffnungszeiten. Die Fachwelt nennt ihre Übereinstimmung NAP-Konsistenz und behandelt sie meist als Rankingfaktor. Wichtiger ist eine Mechanik, die kaum ein Inhaber kennt: Google und Apple ändern diese Daten auf Hinweis von Nutzern und prüfen die Änderung gegen öffentliche Quellen, allen voran deine Website. Wenn die Öffnungszeiten bei Google nicht stimmen, liegt die Ursache deshalb oft nicht im Profil, sondern auf deiner eigenen Seite. Hier steht, wie oft Kunden auf falsche Angaben stoßen, wie eine Änderung in dein Profil kommt, welche Stellen wirklich zählen, was bei Feiertagen, Umzug und neuer Nummer passiert und wie du eine Quelle festlegst, der alle glauben.

Wie oft stoßen Kunden auf falsche Firmendaten?

Öfter, als die meisten Inhaber glauben. Der Local-SEO-Anbieter BrightLocal hat im September 2023 1.138 Konsumentinnen und Konsumenten in den USA befragt, der Local Business Discovery & Trust Report erschien am 11. Oktober 2023. 56 Prozent stoßen mindestens alle paar Monate auf falsche Angaben zu einem Unternehmen, 35 Prozent mindestens einmal im Monat. 26 Prozent stehen mindestens einmal im Monat zu früh oder zu spät vor einem Geschäft, weil die Öffnungszeiten im Netz nicht stimmten. Und 62 Prozent würden ein Unternehmen meiden, wenn sie online falsche Informationen darüber finden. Eine falsche Adresse kostet bei 46 Prozent Vertrauen, eine falsche Telefonnummer bei 45 Prozent.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Es ist eine US-Erhebung, eine vergleichbare öffentliche Befragung für Deutschland oder Österreich haben wir nicht gefunden. Und BrightLocal verkauft Werkzeuge, die genau solche Einträge pflegen, misst hier also den Wert der eigenen Kategorie. Die Richtung ist trotzdem plausibel, weil sie keine Technik voraussetzt, sondern nur eine verschlossene Tür. Wer einmal umsonst hingefahren ist, prüft beim nächsten Mal nicht genauer, sondern woanders.

Balkengrafik aus einer US-Befragung von 1.138 Personen im September 2023: 56 Prozent stoßen mindestens alle paar Monate auf falsche Firmendaten, 35 Prozent mindestens einmal im Monat, 26 Prozent stehen mindestens einmal im Monat wegen falscher Öffnungszeiten zu früh oder zu spät vor einem Geschäft, 62 Prozent würden ein Unternehmen mit falschen Angaben meiden. Hervorgehoben sind die 26 und die 62 Prozent.
Stoßen mindestens alle paar Monate auf falsche Firmendaten: 56 %. Mindestens einmal im Monat: 35 %. Stehen mindestens einmal im Monat wegen falscher Öffnungszeiten zu früh oder zu spät vor einem Geschäft: 26 %. Würden ein Unternehmen mit falschen Angaben meiden: 62 %. Quelle: BrightLocal, Local Business Discovery & Trust Report 2023, Befragung von 1.138 Personen in den USA im September 2023, veröffentlicht am 11. Oktober 2023. BrightLocal verkauft Werkzeuge zur Pflege solcher Einträge.

Warum ändert Google deine Öffnungszeiten, ohne dich zu fragen?

Weil Google die Daten nicht nur von dir nimmt. In der eigenen Hilfe zu Updates im Unternehmensprofil schreibt Google, dass es „Informationen aus verschiedenen Quellen wie Nutzerberichten und lizenzierten Inhalten" verwendet. Schlägt jemand eine Änderung vor, bekommst du in bestimmten Fällen eine Benachrichtigung und hast dann vier Tage Zeit, sie anzunehmen oder abzulehnen. Der entscheidende Satz steht direkt danach: „Wenn du nicht innerhalb von 4 Tagen antwortest, veröffentlicht Google das Update unter Umständen automatisch, sofern es durch andere öffentlich zugängliche Informationen bestätigt wird, etwa auf der Website deines Unternehmens." Im Profil-Editor erkennst du solche Felder an blauer Schrift.

Apple arbeitet nach demselben Muster. In der Hilfe zu Apple Business steht, dass Kunden direkt von der Ortskarte aus melden können, wenn ein Standort laut Karte geöffnet, in Wirklichkeit aber geschlossen ist. Apple prüft diese Meldungen und bearbeitet die Ortskarte. In der Anleitung zu den Standortangaben verlangt Apple außerdem, dass die Öffnungszeiten auf der Ortskarte nach Möglichkeit mit denen auf deiner offiziellen Website übereinstimmen.

Zusammen heißt das: Google und Apple behandeln deine Website als Referenz. Steht dort noch der alte Montag, ist jede neue Angabe im Profil eine Behauptung gegen deine eigene Seite. Steht der Montag dort richtig, hat jeder falsche Hinweis eines Nutzers eine Quelle gegen sich. Die Website ist damit nicht eine von vielen Stellen, die du pflegen musst, sondern die, an der sich der Streit entscheidet.

Ablaufgrafik in vier Schritten, wie eine Änderung in ein Google-Unternehmensprofil kommt: Ein Nutzer meldet neue Öffnungszeiten oder eine Schließung. Google gleicht den Hinweis mit öffentlich zugänglichen Informationen ab, etwa der Website des Unternehmens. Der Inhaber hat vier Tage Zeit, die Änderung anzunehmen oder abzulehnen. Ohne Antwort kann Google die Änderung veröffentlichen, im Editor ist sie blau markiert. Darunter der Hinweis, dass Apple Nutzermeldungen ebenfalls prüft und die Öffnungszeiten nach Möglichkeit mit der offiziellen Website übereinstimmen sollen.
Ablauf bei Google: Hinweis eines Nutzers, Abgleich mit öffentlich zugänglichen Informationen wie der Unternehmenswebsite, vier Tage Frist für den Inhaber, danach unter Umständen automatische Veröffentlichung, im Editor blau markiert. Apple prüft Meldungen von der Ortskarte ebenfalls und verlangt, dass die Öffnungszeiten nach Möglichkeit mit der offiziellen Website übereinstimmen. Quellen: Google-Unternehmensprofil-Hilfe, Updates von Google; Apple Business, Standortinformationen aktuell halten; Apple Business, Standortattribute konfigurieren. Abgerufen am 3. Oktober 2026.

Welche Stellen zählen wirklich?

Nicht alle gleich viel, und das ist eine gute Nachricht für alle, die keine Zeit für achtzig Verzeichnisse haben. Whitespark befragt für die Studie Local Search Ranking Factors regelmäßig Fachleute für lokale Suche. Die Ausgabe 2026, veröffentlicht am 6. November 2025, beruht auf den Einschätzungen von 47 Expertinnen und Experten zu 187 Faktoren. Es sind Schätzungen, keine Messungen, aber die Reihenfolge ist aufschlussreich. „Geöffnet zum Zeitpunkt der Suche" steht für die Kartenergebnisse auf Platz 5. Dass Name, Adresse und Telefonnummer auf der Website mit dem Google-Profil übereinstimmen, steht auf Platz 15. Einheitliche Angaben bei Google Maps, Bing Maps und Apple Maps folgen auf Platz 28, einheitliche Einträge in wichtigen Verzeichnissen auf Platz 63, bei Datenaggregatoren auf Platz 85.

Die Reihenfolge folgt dem Abstand zur Suche. Was der Suchende direkt sieht, zählt am meisten: ob jetzt geöffnet ist und ob Profil und Website dasselbe sagen. Je weiter hinten eine Quelle in der Kette steht, desto weniger trägt sie. Ein Eintrag, der Name, Adresse und Telefonnummer außerhalb deiner eigenen Kanäle nennt, heißt in der Fachsprache Local Citation. Davon brauchst du keine Sammlung, sondern einige wenige richtige. Und vor allem keine falschen, denn eine alte Adresse in einem vergessenen Verzeichnis ist genau die Art öffentlich zugänglicher Information, die einem falschen Nutzerhinweis Rückendeckung geben kann.

Balkengrafik mit fünf Faktoren aus der Whitespark-Studie 2026 für die Kartenergebnisse, Punktwerte der Expertenschätzung: Geöffnet zum Zeitpunkt der Suche Platz 5 mit 189 Punkten, Name, Adresse und Telefon auf der Website stimmen mit dem Google-Profil überein Platz 15 mit 153, einheitlich bei Google Maps, Bing Maps und Apple Maps Platz 28 mit 124, einheitlich in wichtigen Verzeichnissen Platz 63 mit 101, einheitlich bei Datenaggregatoren Platz 85 mit 91. Hervorgehoben sind die ersten beiden.
Geschätzter Einfluss auf die Kartenergebnisse: geöffnet zum Zeitpunkt der Suche Platz 5 (189 Punkte), Website-Angaben stimmen mit dem Google-Profil überein Platz 15 (153), einheitlich bei Google Maps, Bing Maps und Apple Maps Platz 28 (124), einheitlich in wichtigen Verzeichnissen Platz 63 (101), einheitlich bei Datenaggregatoren Platz 85 (91). Zum Vergleich Platz 1, die Hauptkategorie im Profil: 227 Punkte. Quelle: Whitespark, Local Search Ranking Factors 2026, veröffentlicht am 6. November 2025, Einschätzung von 47 Fachleuten zu 187 Faktoren. Expertenschätzung, keine Messung.

Ein Nachsatz für alle, die bei diesem Thema an Antworten von Suchassistenten denken: In derselben Studie bewertet Whitespark auch die Sichtbarkeit in KI-Suchen, und dort stehen Nennungen auf fremden Seiten deutlich weiter oben, an der Spitze die Aufnahme in von Fachleuten kuratierte Bestenlisten. Für die Frage, ob deine Öffnungszeiten stimmen, ändert das nichts. Es zeigt nur, dass Nennungen außerhalb deiner Website wieder wichtiger werden, und eine Nennung mit alter Adresse ist dann doppelt ärgerlich.

Was passiert bei Feiertagen, Umzug und neuer Nummer?

Hier entstehen die meisten Widersprüche, weil sich eine Angabe ändert und nicht alle Stellen gleichzeitig mitziehen. Der häufigste Fall sind Feiertage. Google listet in der Hilfe zu Feiertagen für jedes Land die Tage, an denen im Profil der Hinweis erscheinen kann, dass die Öffnungszeiten abweichen könnten, und empfiehlt, für diese Tage vorab Sonderöffnungszeiten zu hinterlegen. Wer das nicht tut, lässt seine Kunden genau an den Tagen raten, an denen sie am ehesten nachsehen. Dass der Status „geöffnet" auch die Sichtbarkeit beeinflusst, hat BrightLocal im Dezember 2023 an 50 Standorten aus zehn Branchen nachgemessen: Während der Öffnungszeiten lagen die lokalen Rankings im Schnitt höher, am deutlichsten bei Fast-Food-Restaurants mit durchschnittlich 2,4 Plätzen.

Bei einem Umzug oder einer neuen Telefonnummer ist die Reihenfolge der Änderungen das Werkzeug. Zuerst die Website, und zwar überall, wo die Daten stehen: Kontaktseite, Fußzeile, Impressum und das Schema-Markup im Quelltext. Danach das Google-Unternehmensprofil, dann Apple und Bing, dann die Verzeichnisse und Branchenportale, in denen du eingetragen bist. In dieser Reihenfolge hat jede neue Angabe schon eine Quelle hinter sich, wenn sie geprüft wird. Andersherum widerspricht die eigene Website dem neuen Profil, und beim nächsten Nutzerhinweis gewinnt womöglich die alte Version. Die alte Telefonnummer bleibt umgeleitet, bis sie nirgends mehr auftaucht. Aus unserer Projektarbeit: Das dauert fast immer länger als der Umzug selbst.

Für die Adresse gibt es in Deutschland und Österreich sogar eine Pflichtstelle. In Deutschland verlangt § 5 Abs. 1 Nr. 1 des Digitale-Dienste-Gesetzes im Impressum „den Namen und die Anschrift, unter der sie niedergelassen sind". In Österreich fordert § 5 Abs. 1 Z 2 des E-Commerce-Gesetzes „die geografische Anschrift, unter der er niedergelassen ist". Das Impressum ist also die eine Stelle, an der du die Adresse ohnehin aktuell halten musst. Es ist der natürliche Ausgangspunkt für alle anderen.

Wie wird deine Website zur Quelle, der alle glauben?

Mit einem Dokument und einer Gewohnheit. Das Dokument ist ein Stammdatenblatt: eine Seite, auf der die offizielle Schreibweise steht, nicht nur der Inhalt. Der Name exakt so, wie er im Firmenbuch oder Handelsregister steht, und die Kurzform, die du im Alltag benutzt, ausdrücklich als zweite Zeile. Die Adresse mit einer Entscheidung für „Straße" oder „Str.", mit oder ohne Stiege und Top. Die Telefonnummer in einem einzigen Format, am besten international mit +43 oder +49. Die regulären Öffnungszeiten und darunter die Sonderöffnungszeiten für das laufende Jahr. Fachleute nennen so ein Dokument eine Single Source of Truth: Jede andere Stelle wird von dort abgeschrieben, nie umgekehrt.

Auf der Website stehen dieselben Angaben einmal sichtbar und einmal maschinenlesbar. Sichtbar auf der Kontaktseite und in der Fußzeile, wortgleich mit dem Profil. Maschinenlesbar als LocalBusiness-Markup, in dem sich laut Googles Dokumentation zu strukturierten Daten über openingHoursSpecification mit validFrom und validThrough auch saisonale Zeiten angeben lassen, bis hin zur Schließung über die Feiertage. Ob Google diese Angaben ins Profil übernimmt, sagt die Dokumentation nicht. Sie stehen aber als öffentlich zugängliche Information genau dort, wo Google laut eigener Hilfe nachsieht.

Die Gewohnheit ist ein Termin: zweimal im Jahr, vor dem Sommer und vor Weihnachten, das Stammdatenblatt neben die fünf wichtigsten Stellen legen und vergleichen. Google, Apple, Bing, die eigene Website und das wichtigste Verzeichnis deiner Branche. Das dauert eine halbe Stunde. Was im Profil darüber hinaus zählt, steht im Beitrag Local SEO für Dienstleister, wie die Bewertungen dazukommen, in Google-Bewertungen bekommen, ohne zu betteln.

Drei Hebel für diese Woche

Erstens: Sieh nach, was ein Kunde sieht. Such deinen Namen bei Google, öffne Apple Karten und Bing und lies die Öffnungszeiten für den nächsten Montag und den nächsten Feiertag. Jede Stelle, die von deiner Website abweicht, ist die nächste verschlossene Tür.

Zweitens: Mach die Website zur Referenz, bevor du Profile anfasst. Leg das Stammdatenblatt an und zieh Kontaktseite, Fußzeile, Impressum und Markup wortgleich nach. Erst dann die Profile angleichen, in der Reihenfolge Google, Apple, Bing, Verzeichnisse. So hat jede Korrektur eine Quelle hinter sich.

Drittens: Trag die Sonderöffnungszeiten bis Jahresende jetzt ein. Auf der Website und in den Profilen, für Weihnachten, Silvester und Neujahr. In Österreich stehen mit Allerheiligen am 1. November und dem 8. Dezember, an dem viele Geschäfte trotzdem offen haben, noch zwei Tage davor. Die Fragen nach diesen Tagen kommen jedes Jahr, die Antwort kann diesmal schon dastehen.

Wenn du wissen willst, wo deine Eckdaten heute auseinanderlaufen: Wir legen sie einmal gemeinsam nebeneinander. 📍