Was ist Barrierefreiheit?
Barrierefreiheit im Web hat zwei Ebenen, die im Alltag ständig verwechselt werden. Die eine ist die rechtliche: Wer erfasst ist, muss bestimmte Anforderungen erfüllen. Die andere ist die praktische: Ob ein Mensch mit deiner Seite arbeiten kann. Die zweite Ebene gilt immer, auch für alle, die von der ersten gar nicht erfasst sind.
Das Gesetz greift enger, als die Diskussion vermuten lässt. In Deutschland zählt § 1 Absatz 3 des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes fünf Dienstleistungen abschließend auf, in Österreich tut § 2 des Barrierefreiheitsgesetzes dasselbe. Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen erbringen, sind ausdrücklich ausgenommen. Eine Website, die nur beschreibt, was du anbietest, ist kein elektronischer Geschäftsverkehr.
Der Anteil, der Redaktion und nicht Technik ist, wird unterschätzt. Alternativtexte für Bilder, Untertitel für Videos, sprechende Linktexte, eine sinnvolle Überschriftenfolge: Das ist Schreibarbeit, kein Umbau. Die technische Hälfte - Kontraste, Tastaturbedienung, Formularbeschriftungen - gehört ins Gestaltungssystem und wird einmal gelöst, nicht je Seite.
Warum ist Barrierefreiheit wichtig?
Der praktische Nutzen entsteht dort, wo die Pflicht endet: Alternativtext, Untertitel und Transkript sind die einzige Form, in der der Inhalt von Bildern und Videos als Text existiert. Ohne diesen Text steht ein eingebettetes Video im Textbestand einer Seite mit nichts drin. Was nicht als Text vorhanden ist, kann weder gefunden noch in einer Antwort wiedergegeben werden.
Barrierefreiheit in der Praxis
- 01Ein Erklärvideo bekommt eine korrigierte Untertiteldatei und darunter das redigierte Transkript mit Zwischenüberschriften, statt nur eingebettet zu werden.
- 02Ein Diagramm trägt seine Zahlen im Alternativtext und zusätzlich in der Bildunterschrift, ein reines Schmuckbild bekommt ein leeres alt-Attribut.
- 03Der Linktext heißt "Preise für die Betreuung" statt "hier klicken", damit er auch außerhalb des Satzes verständlich bleibt.


