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Die Team-Seite als Vertriebsseite: Vertrauen ohne Stockfotos

Auf der Team-Seite entscheidet sich, ob jemand anfragt. Trotzdem steht dort meistens ein gekauftes Lächeln. Seit dem 2. August 2026 ist das Bild auch eine Rechtsfrage, und Googles eigene Prüfanleitung führt erfundene Angaben über das Team als schlechtestes Urteil. Was stattdessen auf die Seite gehört.

Cover: Die Team-Seite als Vertriebsseite: Vertrauen ohne Stockfotos

Die Team-Seite ist bei Dienstleistern fast immer die Seite, die kurz vor der Anfrage aufgerufen wird. Wer eine Zusammenarbeit erwägt, will wissen, mit wem er es zu tun bekommt. Behandelt wird sie trotzdem wie Dekoration: vier gekaufte Lächeln, darunter Titel wie "Senior Consultant", keine Zuständigkeit, keine Erreichbarkeit. Seit dem 2. August 2026 ist die Bildfrage zusätzlich eine Rechtsfrage. Wir schauen uns drei Dinge an: was Googles eigene Prüfanleitung an dieser Stelle verlangt, was die Forschung über das Erkennen von KI-Gesichtern sagt, und was auf eine Team-Seite gehört, die tatsächlich etwas trägt.

Warum landet fast jeder Interessent auf der Team-Seite?

Weil eine Dienstleistung kein Regalprodukt ist. Was du verkaufst, existiert vor dem Auftrag nicht, also sucht der Interessent nach dem nächstbesten Beleg: den Menschen, die es machen sollen. Genau deshalb ist diese Seite selten die erste, aber oft die letzte vor der Anfrage.

Die ehrliche Einschränkung gleich mit: Es gibt zu dieser Frage kaum belastbare Zahlen. Die einzige öffentlich zugängliche Erhebung, die die Bildfrage direkt stellt, stammt von BrightLocal und ist zwölf Jahre alt. Dort wählten 46 Prozent der Befragten ein echtes Foto der Inhaberin oder eines Mitarbeiters als vertrauenswürdigste Variante, 33 Prozent ein generisches Bild, 21 Prozent gar kein Bild. Wo ein erkennbares Stockfoto direkt gegen ein echtes gestellt wurde, entschieden sich 64 Prozent für das echte.

Balkengrafik zur Frage, welche Bildvariante auf einer Dienstleister-Website am vertrauenswürdigsten wirkt: echtes Foto der Inhaberin oder eines Mitarbeiters 46 Prozent, generisches Bild 33 Prozent, gar kein Bild 21 Prozent. Im direkten Vergleich zwischen erkennbarem Stockfoto und echtem Foto wählten 64 Prozent das echte Foto.
Echtes Foto der Inhaberin oder eines Mitarbeiters 46 %, generisches Bild 33 %, kein Bild 21 %. Im direkten Vergleich Stockfoto gegen echtes Foto: 64 % für das echte. Quelle: BrightLocal, "Images Inspire Trust on Local Business Websites", veröffentlicht 21.03.2014, über 1.600 Antworten aus einem US-Verbraucherpanel. Achtung: zwölf Jahre alt, anderer Markt, und gemessen wurde eine Aussage über Vertrauen, nicht das Verhalten. Wir zitieren sie, weil es die einzige Erhebung zu genau dieser Frage ist, nicht weil sie belastbar wäre.

Eine zwölf Jahre alte Panelbefragung ist kein Beweis. Sie ist ein Hinweis, und sie ist vor allem eines: die Erinnerung daran, dass du diese Frage für dein eigenes Publikum nie mit einer Fremdzahl beantworten wirst. Was du stattdessen tun kannst, steht weiter unten.

Was prüft Google auf einer Team-Seite?

Hier wird es konkreter, weil Google seine Prüfanleitung veröffentlicht. Die "General Guidelines" vom 11. September 2025 sind das Dokument, nach dem geschulte Bewerterinnen Seiten beurteilen. Abschnitt 2.5.2 formuliert die Erwartung unmissverständlich: "Every page belongs to a website, and it should be clear: Who (what individuals, company, business, organization, government agency, etc.) is responsible for the website." Abschnitt 2.5.3 ergänzt die Kontaktwege, ausdrücklich auch mit Namen der zuständigen Personen.

Zwei Stellen desselben Dokuments sind für Stockfotos und erfundene Profile unangenehm. In der Tabelle der Täuschungsarten steht als eigener Typ: "The website has deliberately inaccurate or misleading information about the website or content creators to make the website appear trustworthy." Für solche Seiten sieht die Anleitung die schlechteste Stufe vor. Und schon eine Stufe darunter, in Abschnitt 5.6, heißt es: "If you find the information about the website or the content creator to be exaggerated or mildly misleading, the Low rating should be used." Übertreibung reicht also aus.

Ehrlich dazugesagt: Diese Bewertungen sind kein Rankingfaktor. Niemand stuft deine Seite manuell herab, die Urteile dienen der Kalibrierung der Systeme. Das Dokument ist trotzdem das Genaueste, was du über die Absicht hinter der Bewertung von E-E-A-T bekommst, und die Prüfpunkte sind so einfach, dass du sie selbst durchgehen kannst. Ein Autorenprofil mit Namen, Zuständigkeit und einem nachprüfbaren Beleg erfüllt sie. Vier Kacheln mit Vornamen erfüllen sie nicht.

Merkt überhaupt jemand, ob das Foto echt ist?

Das ist das gängigste Gegenargument, und die Forschung beantwortet es unbequem. Eine Studie in Psychological Science vom 13. November 2023 hat Menschen echte und KI-erzeugte Gesichter vorgelegt. Ergebnis: Die KI-Gesichter wurden häufiger für echt gehalten als die echten. In Experiment 1 mit 124 Teilnehmenden lag der Wert bei 65,9 Prozent gegenüber 51,1 Prozent für echte Gesichter, in der Neuauswertung früherer Daten bei 69,5 gegenüber 52,2 Prozent. Die Autorinnen nennen das "AI hyperrealism". Dazu kommt ein zweiter Befund, den man sich merken sollte: Wer die meisten Fehler machte, war am sichersten, dass er richtig liege.

Gegenüberstellung zweier Werte: KI-erzeugte weiße Gesichter wurden in 65,9 Prozent der Fälle für echt gehalten, echte weiße Gesichter nur in 51,1 Prozent. In der Neuauswertung früherer Daten lagen die Werte bei 69,5 gegenüber 52,2 Prozent. Der Effekt trat nur bei weißen Gesichtern auf.
KI-erzeugte weiße Gesichter wurden in 65,9 % der Fälle als menschlich eingestuft, echte weiße Gesichter in 51,1 %. Neuauswertung früherer Daten: 69,5 % gegenüber 52,2 %. Quelle: Miller, Steward, Witkower, Sutherland, Krumhuber, Dawel: "AI Hyperrealism: Why AI Faces Are Perceived as More Real Than Human Ones", Psychological Science, online 13.11.2023, DOI 10.1177/09567976231207095. Experiment 1 mit 124 Erwachsenen, Experiment 2 mit 610 Erwachsenen. Wichtig: Der Effekt zeigte sich nur bei weißen Gesichtern, weil die Modelle überwiegend darauf trainiert sind.

Die Einschränkung ist Teil der Aussage: Der Effekt trat nur bei weißen Gesichtern auf, weil die Bildmodelle überwiegend mit weißen Gesichtern trainiert wurden. Wer also ein "diverses Team" aus dem Generator holt, bekommt nicht nur ein erfundenes Team, sondern eines, das den KI-Bias seiner Trainingsdaten sichtbar mitschleppt.

Der praktische Schluss ist nicht "es fliegt auf". Der praktische Schluss ist: Es fliegt nicht auf, bis es auffliegt, und das passiert dort, wo es teuer ist. Beim Kickoff sitzt eine andere Person am Tisch als auf der Seite. Ein Interessent sucht den Namen und findet ihn nirgends. Ein Wettbewerber macht einen Screenshot. Wetten auf Unentdecktheit sind das Gegenteil einer Marke.

Was gilt seit dem 2. August 2026?

Seit diesem Datum gelten die Transparenzpflichten aus Artikel 50 der KI-Verordnung. Absatz 4 verlangt im Wortlaut: "Deployers of an AI system that generates or manipulates image, audio or video content constituting a deep fake, shall disclose that the content has been artificially generated or manipulated." Was ein Deepfake ist, definiert Artikel 3 Nummer 60 als "AI-generated or manipulated image, audio or video content that resembles existing persons, objects, places, entities or events and would falsely appear to a person to be authentic or truthful".

Ob ein vollständig erfundenes Portrait darunter fällt, ist juristisch nicht ausgemacht, weil die Definition auf die Ähnlichkeit mit existierenden Personen oder Einheiten abstellt. Klar ist der Fall, in dem eine reale Kollegin per KI in eine Szene gesetzt wird, die es nie gab. Für die Team-Seite ist die schärfere Vorschrift ohnehin eine andere. Nach § 5 Abs. 2 Nr. 3 UWG ist eine geschäftliche Handlung irreführend, wenn sie zur Täuschung geeignete Angaben enthält über "die Person, Eigenschaften oder Rechte des Unternehmers wie Identität, [...] Befähigung, Status, Zulassung, Mitgliedschaften oder Beziehungen". In Österreich steht dasselbe in § 2 Abs. 1 Z 6 UWG. Ein Team, das größer, erfahrener oder schlicht anders aussieht als das echte, ist keine Gestaltungsfrage, sondern eine Angabe über die Befähigung des Unternehmens.

Darunter liegt der Boden, den ohnehin jede Website erfüllen muss. § 5 Abs. 1 DDG verlangt in Deutschland "den Namen und die Anschrift, unter der sie niedergelassen sind, bei juristischen Personen zusätzlich die Rechtsform, den Vertretungsberechtigten", in Österreich fordert § 5 Abs. 1 ECG unter anderem "Angaben, auf Grund deren die Nutzer mit ihm rasch und unmittelbar in Verbindung treten können". Ein Kontaktformular ohne eine einzige zuständige Person ist die Minimalerfüllung eines Gesetzes, kein Vertrauensangebot.

Was gehört auf eine Team-Seite, die verkauft?

Nicht mehr Menschen, sondern mehr Nachprüfbares. Fünf Punkte, die den Unterschied machen, und keiner davon kostet ein Fotoshooting.

Gegenüberstellung von Deko-Seite und Nachweis-Seite in fünf Zeilen. Bild: gekauftes Studiofoto gegen echte Aufnahme, auch mit dem Telefon. Name: Vorname allein gegen vollständiger Name. Rolle: Titel wie Senior Consultant gegen Zuständigkeit für einen konkreten Bereich. Beleg: Adjektive wie erfahren und leidenschaftlich gegen ein nachprüfbares Projekt oder eine Zertifizierung. Kontakt: allgemeines Formular gegen direkte Erreichbarkeit der zuständigen Person.
Fünf Zeilen im Vergleich. Bild: gekauftes Studiofoto gegen echte Aufnahme. Name: Vorname gegen vollständiger Name. Rolle: Titel gegen Zuständigkeit. Beleg: Adjektiv gegen nachprüfbares Projekt oder Zertifizierung. Kontakt: allgemeines Formular gegen direkte Erreichbarkeit. Einordnung aus unserer Redaktionsarbeit, keine Messung. Die Prüfpunkte folgen den Abschnitten 2.5.2 und 2.5.3 der Google General Guidelines vom 11.09.2025.

Der wichtigste Punkt ist die Zuständigkeit. "Senior Consultant" sagt einem Interessenten nichts, "verantwortet bei uns die technische Umsetzung von Automationen" beantwortet die Frage, warum er diese Person anschreiben soll. Der zweite ist der Beleg: ein Projekt, eine Zertifizierung, ein Vortrag, irgendetwas, das jemand nachsehen kann. Adjektive sind keine Belege, und genau das meint die Rater-Anleitung mit "exaggerated". Wie das in ausführlicher Form aussieht, haben wir in Case-Study-Seiten, die verkaufen beschrieben.

Zum Bild selbst: Ein Foto mit dem Telefon im Büro schlägt jedes Studiobild aus der Datenbank, solange es dieselbe Person zeigt, die später am Tisch sitzt. Wer keine Fotos zeigen will oder darf, lässt sie weg und ergänzt dafür die Belege. Eine Seite ohne Bilder ist ehrlich. Eine Seite mit fremden Bildern ist eine Angabe über dein Unternehmen. Wenn KI im Spiel ist, gehört das an die Grafik geschrieben, dafür gibt es inzwischen die KI-Kennzeichnung. Und weil Team-Seiten veralten, gehört ihre Pflege in dieselbe Zuständigkeit wie der Rest der Inhalte, siehe Content-Governance.

Drei Hebel für die nächsten Wochen

Geh die Seite mit der Rater-Frage durch. Ist auf einen Blick klar, wer verantwortlich ist, wer welchen Bereich verantwortet und wie man diese Person erreicht? Wenn du drei Minuten suchen musst, sucht ein Interessent zehn Sekunden und ist dann weg.

Ersetze Adjektive durch Belege. Pro Person eine Zeile, die jemand nachprüfen kann. Das ist die Änderung mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung, weil sie ohne Fototermin und ohne Relaunch funktioniert.

Miss es an deinem eigenen Publikum. Wie viele Anfragen erwähnen eine Person namentlich? Diese Zahl kennst du aus deinem Postfach, sie kostet nichts, und sie sagt dir mehr über deine Team-Seite als jede Benchmark von außen.

Wenn du wissen willst, wie deine Team-Seite auf jemanden wirkt, der dich nicht kennt, schauen wir gern einmal gemeinsam drauf. Meistens fehlen nicht die Fotos, sondern zwei Sätze pro Person. 🙋