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Wie oft du deine Website aktualisieren musst: der Kalender ist die falsche Antwort

Google beantwortet die Frage in der eigenen Dokumentation, und die Antwort steht in Klammern: "(No, it won't)". Wir haben nachgemessen, wann Google unsere 55 Beiträge zuletzt geholt hat: Median 28 Tage, Spanne 5 bis 62 Tage, und die drei ältesten Beiträge waren früher dran als der Durchschnitt. Was ein Update wirklich auslöst, und woran du erkennst, welche Seite eines braucht.

Cover: Wie oft du deine Website aktualisieren musst: der Kalender ist die falsche Antwort

Die Frage kommt in fast jedem Gespräch über eine bestehende Website: Wie oft muss ich da eigentlich etwas machen, damit Google die Seite ernst nimmt? Dahinter steckt eine ordentliche Sorge und eine schiefe Annahme. Die Sorge ist berechtigt, denn Seiten veralten wirklich. Die Annahme ist, dass es eine Frequenz gibt, einen Rhythmus, den man einhalten kann. Den gibt es nicht, und das ist keine Meinung: Google beantwortet die Frage in der eigenen Dokumentation, und zwar in Klammern. Dieser Beitrag zeigt, was passiert, wenn du deine Website aktualisieren willst, was dabei wirklich zählt, und woran du erkennst, welche Seite als nächste dran ist.

Was passiert, wenn du nur das Datum änderst?

Nichts, und Google schreibt das selbst hin. In der Anleitung "Creating helpful, reliable, people-first content" steht eine Liste von Fragen, mit denen man prüfen soll, ob man gerade für Menschen oder für Suchmaschinen schreibt. Zwei davon gehören hierher, wörtlich: "Are you changing the date of pages to make them seem fresh when the content has not substantially changed?" Und direkt danach: "Are you adding a lot of new content or removing a lot of older content primarily because you believe it will help your search rankings overall by somehow making your site seem 'fresh?' (No, it won't)".

Diese Klammer ist der ganze Beitrag in drei Wörtern. Beides sind Fragen aus einem Abschnitt, der mit "Avoid creating search engine-first content" überschrieben ist, und das Dokument trägt den Stand 10. Dezember 2025. Interessant ist das Wort in der ersten Frage: "substantially". Es taucht an der zweiten Stelle wieder auf, an der Google über Datumsangaben spricht. In der Doku zu Byline-Datumsangaben heißt es: "A byline date is the date that Google estimates that the web page was updated or published." Und weiter: "Google doesn't depend on a single date factor because all factors can be prone to issues. That's why our systems look at several factors to determine our best estimate of when a page was published or significantly updated."

Google schätzt also, wann du zuletzt substanziell etwas geändert hast, und zieht dafür mehrere Signale heran. Dein Datumsfeld ist eines davon, nicht die Quelle der Wahrheit. Wer nur das Datum umstellt, ändert eine Angabe über eine Änderung, die es nicht gab.

Wie oft holt Google deine Seiten überhaupt?

Das lässt sich messen, statt zu schätzen. Wir haben am 5. September 2026 alle 55 Beiträge dieses Blogs einzeln durch die URL-Inspection-Schnittstelle der Search Console geschickt und uns ausgeben lassen, wann Google sie zuletzt geholt hat. Für 52 der 55 liefert Google ein Datum, drei melden keines.

Balkengrafik mit vier Gruppen: 2 von 52 Beiträgen wurden in den letzten 7 Tagen zuletzt gecrawlt, 11 vor 8 bis 14 Tagen, 14 vor 15 bis 30 Tagen und 25 vor 31 bis 62 Tagen. Hinweis darunter: Median 28 Tage, Spanne 5 bis 62 Tage.
Tage seit dem letzten Crawl, 52 Beiträge auf agentsie.at: bis 7 Tage 2 Beiträge, 8 bis 14 Tage 11, 15 bis 30 Tage 14, 31 bis 62 Tage 25. Median 28 Tage, Mittelwert 30,9, Spanne 5 bis 62 Tage. Quelle: eigene Abfrage der URL Inspection API der Google Search Console für alle 55 Blog-URLs am 5. September 2026; für drei URLs meldet Google kein Crawl-Datum, sie sind nicht enthalten.

Die interessante Zahl ist nicht der Median, sondern die Verteilung. Wenn Google einem Rhythmus folgen würde, den wir setzen, müsste sich das Alter der Beiträge in den Abständen abbilden. Es tut das Gegenteil.

Gegenüberstellung von zwei Beiträgen: links ein Beitrag vom 22. April 2026, 136 Tage alt, zuletzt vor 9 Tagen geholt. Rechts ein Beitrag vom 13. Juli 2026, 54 Tage alt, zuletzt am Erscheinungstag geholt, also vor 54 Tagen. Beide wurden inhaltlich nicht neu datiert.
Zwei Beiträge aus derselben Messung: "Viraler Instagram-Content in Minuten" vom 22. April 2026 ist 136 Tage alt und wurde zuletzt vor 9 Tagen geholt. "Programmatic SEO für kleine Teams" vom 13. Juli 2026 ist 54 Tage alt und wurde zuletzt am Erscheinungstag geholt. Insgesamt gilt: die drei ältesten Beiträge (119 bis 139 Tage) lagen mit 9 bis 18 Tagen deutlich unter dem Median von 28 Tagen, während 9 Beiträge seit ihrem Erscheinungstag nicht mehr geholt wurden, der älteste davon seit 56 Tagen. Quelle: dieselbe Abfrage vom 5. September 2026.

Die drei ältesten Beiträge im Blog, 119 bis 139 Tage alt, wurden zuletzt vor 9, 18 und 18 Tagen geholt. Damit lagen sie deutlich früher dran als der Median von 28 Tagen. Gleichzeitig stehen neun Beiträge in der Liste, die seit ihrem Erscheinungstag nicht mehr abgeholt wurden, der älteste davon seit 56 Tagen. Alter sagt über den Crawl-Rhythmus also fast nichts. Google beschreibt in der Doku zum Crawl-Budget auch, warum: "Crawl demand varies based on a site's size, update frequency, page quality, and relevance", und unter den Faktoren stehen "Popularity: URLs that are more popular on the Internet tend to be crawled more often" und "Staleness: Our systems want to recrawl documents frequently enough to pick up any changes". Das ist ein Nachfrage-Modell, kein Redaktionsplan.

Ist Crawl-Budget überhaupt dein Problem?

Fast sicher nicht, und auch das steht in derselben Doku. Google nennt darin ausdrücklich, für wen das Thema gedacht ist: "Large sites (1 million+ unique pages) with content that changes moderately often (once a week)" und "Medium or larger sites (10,000+ unique pages) with very rapidly changing content (daily)".

Gegenüberstellung zweier Zahlen: 10.000 URLs ist die kleinere der beiden Schwellen, ab der Google das Thema Crawl-Budget für relevant hält. Unsere eigene Sitemap enthält 440 URLs, also 4,4 Prozent dieser Schwelle.
Kleinere der beiden Schwellen laut Google: 10.000 einzigartige Seiten bei täglich wechselnden Inhalten, die größere liegt bei 1.000.000 Seiten. Die Sitemap von agentsie.at enthielt 440 URLs in zwei Sprachen, gezählt am 5. September 2026 vor der Veröffentlichung dieses Beitrags. Quelle: Google Search Central, "Large site owner's guide to managing your crawl budget".

Unsere komplette Website stand am Tag dieser Messung bei 440 URLs in der Sitemap, in zwei Sprachen, inklusive aller 131 Glossarbegriffe. Das sind 4,4 Prozent der kleineren Schwelle. Eine typische Firmenseite mit fünfzehn Unterseiten liegt bei einem halben Prozent davon. Wer in dieser Größenordnung spielt, kann sich das Thema Crawl-Budget vollständig sparen. Es gibt keinen Vorrat, den man mit Sparsamkeit schont oder mit Fleiß auffüllt.

Das gilt auch für den einen Knopf, der wirklich existiert. In der Search Console lässt sich eine Seite zur erneuten Indexierung anmelden. Google schreibt dazu in der Anleitung zwei Dinge, die man wissen sollte: "Crawling can take anywhere from a few days to a few weeks", und "requesting a recrawl multiple times for the same URL won't get it crawled any faster". Einmal drücken ist sinnvoll, wenn sich etwas Wichtiges geändert hat. Öfter drücken ist nur ein Beschäftigungsprogramm.

Wann zählt Aktualität wirklich?

Wenn die Frage sie verlangt, nicht wenn die Seite sie behauptet. Google erklärt das in "How Search works" an einem sehr klaren Beispiel: "For example, when searching for current news topics, content freshness plays a bigger role than dictionary definitions." Aktualität ist damit eine Eigenschaft der Suchanfrage, nicht deiner Website. Für "was kostet eine Website 2026" ist ein zwei Jahre alter Beitrag ein Problem. Für "was ist ein Impressum" ist er keines.

Praktisch heißt das: Sortiere deine Seiten einmal nach dieser Frage, nicht nach Erscheinungsdatum. Es gibt Seiten mit eingebautem Verfallsdatum, weil in ihnen eine Zahl, eine Frist oder eine Rechtslage steht. Und es gibt Seiten ohne, weil sie einen Begriff, ein Verfahren oder eine Haltung erklären. Bei uns fällt jeder Beitrag mit einer Gesetzesangabe in die erste Gruppe und muss mitwandern, wenn sich der Paragraf ändert. Ein Beitrag über den Ton in einer Absage fällt in die zweite und darf zwei Jahre stehen bleiben, ohne dass ihm etwas fehlt.

Woran erkennst du eine Seite, die ein Update braucht?

An drei Signalen, und keines davon ist ein Datum. Erstens: In der Seite steht eine Zahl, ein Preis, eine Frist oder ein Gesetz, das sich geändert hat. Das ist der einzige Grund, der keine Diskussion braucht. Zweitens: Die Seite bekommt in der Search Console weiter Impressionen, aber die durchschnittliche Position rutscht über Wochen ab. Das ist der klassische Fall von Content Decay, und er zeigt sich in den Daten, bevor er sich im Traffic zeigt. Drittens: Du beantwortest im Kundengespräch inzwischen eine Frage, die auf der Seite nicht vorkommt. Dann fehlt der Seite ein Abschnitt, nicht ein neues Datum.

Was dabei hilft, ist eine ehrliche Einordnung der Größenverhältnisse. Ahrefs hat im Dezember 2023 rund 14 Milliarden Seiten aus dem eigenen Index ausgewertet und kam zu dem Ergebnis, dass 96,55 Prozent aller Seiten keinen organischen Suchtraffic von Google bekommen. Ahrefs nennt die Einschränkungen selbst: Die Stichprobe ist kleiner als der Gesamtindex und tendiert zu hochwertigeren Seiten, die Traffic-Werte sind Schätzungen aus rund 651 Millionen Keywords und erfassen sehr lange Suchanfragen nicht. Auch mit diesen Vorbehalten bleibt die Richtung eindeutig: Der weit überwiegende Teil der Seiten im Netz wird nicht deshalb nicht gefunden, weil er zu selten aktualisiert wird.

Wenn du dann aktualisierst, ändere zuerst die Sache und danach die Angabe. Google verlangt für das sichtbare Datum nichts Kompliziertes, aber es verlangt Konsistenz: "Make your dates and times consistent. Ensure that the date (and optional time and timezone) match between the equivalent user-visible and structured values", dazu "Don't specify future dates" und der Hinweis, andere Datumsangaben auf der Seite zu reduzieren, wenn Google die falsche auswählt. Ein sichtbares "Zuletzt aktualisiert" plus ein dazu passendes dateModified im strukturierten Datenblock, mehr braucht es nicht. Und diese beiden Felder verdienen die Änderung erst, wenn im Text etwas anderes steht als vorher.

Die drei Hebel

Erstens: Führe eine Liste der Seiten mit Verfallsdatum. Alles mit Preis, Frist, Zahl oder Paragraf kommt drauf. Diese Liste ist kürzer als die Website und länger als gedacht, und sie ersetzt jeden Redaktionsrhythmus.

Zweitens: Nimm die Position, nicht den Traffic, als Frühwarnzeichen. Eine Seite, deren Impressionen bleiben und deren Position seit Wochen fällt, meldet sich Monate bevor die Klicks verschwinden. In der Search Console sind das zwei Häkchen und drei Minuten.

Drittens: Lass Seiten ohne Verfallsdatum in Ruhe. Der Aufwand, den du für ein Update ohne Anlass ausgibst, fehlt bei der Seite, in der wirklich eine falsche Zahl steht. Das ist der eigentliche Preis der Kalender-Antwort.

Wenn ihr wissen wollt, welche eurer Seiten in welche Gruppe gehören, schauen wir uns das gern einmal gemeinsam an. Meistens sind es weniger, als alle befürchten, und die richtigen sind selten die, an die man zuerst denkt. 🗓️